• 2015.09.05
    Karl SpachingerZum Profil
    Karl Spachinger

    Vom Energieausweis zur Nachhaltigkeit

    5 Jahre lang habe ich Energieausweise erstellt, Kunden betreut und mit Hausverwaltern und Objektbetreuern sowie einfachen Privatpersonen in Kontakt gestanden, um deren Gebäudestand zu erfassen und in Form des mittlerweile berühmt-berüchtigten Energieausweises zu bewerten.
    Es gibt im Wesentlichen zwei Beweggründe, warum eine Energieausweiserstellung beauftragt wird: Weil eine gesetzliche Notwendigkeit vorhanden ist (Vorlage bei Vermietung, Verkauf, etc.), oder aber, weil eine Förderung in Anspruch genommen werden möchte. Die Sinnhaftigkeit eines Energieausweises wird allerdings von einer Mehrzahl der Personen in Frage gestellt und lediglich auf die Kosten, welche dieser verursacht, verwiesen. Ein notwendiges Übel, sozusagen.
    Es wird kaum ein Gedanke an die Möglichkeiten und Chancen verloren, welche der Energieausweis bieten kann, da die Nötigung, diesen erstellen lassen zu müssen, im Vordergrund steht. Parallel dazu stellt sich leider oftmals auch die Frage nach der Qualität, mit welcher ein Energieausweis erstellt wird. Exemplarisch 2 Punkte aus meiner Erfahrung:
    • Möglichkeit der Erstellung mittels vereinfachtem Berechnungsverfahren unter der Anwendung von pauschalisierten Standardwerten für Bauteile von Gebäuden aus bestimmten Epochen der Baugeschichte
    • Erstellung von Energieausweisen nach dem detaillierten Verfahren ohne das Objekt vor Ort be-sichtigt und die Richtigkeit von Unterlagen und Bausubstanz geprüft zu haben

    Dies sind nur zwei Punkte, welchen der Energieausweis seinen „durchwachsenen“ Ruf zu verdanken hat.
    Der Energieausweis ist nichts desto trotz ein etabliertes und zentrales Instrument zur Bewertung von der thermischen Gebäudehülle bis hin zum Primärenergiebedarf eines Objekts. Nicht umsonst finden die Kennwerte aus dem Energieausweis auch Eingang in eine Vielzahl an Unterpunkten des Zertifizierungssystems der ÖGNI.

    Jetzt bin ich Teil der ÖGNI und Teil des Gebäudezertifizierungsprozesses. Die Gebäudezertifizierung ist im Vergleich zum Energieausweis kein Instrument, welches in irgendeiner Weise verpflichtend wäre. Diese Tatsache stellt einen bedeutenden Unterschied dar. Menschen, die aus Eigenmotivation und Idealismus ihren Objekten einen nachhaltigen Mehrwert zukommen lassen und die Qualität ihrer Projekte optimieren und transparent darstellen wollen, nehmen eine Zertifizierung, wie von der ÖGNI angeboten, in Anspruch. Die ÖGNI erhebt den Anspruch, das nachhaltige Bauen konsequent vorantreiben zu wollen und eine ganzheitliche Betrachtung von Ökonomie, Ökologie und Nutzerkomfort zu vollziehen. Aspekte, die meines Erachtens sehr viel verändern und sich gerade im Bereich der Qualität manifestieren sollten.

    Aus den oben angeführten Gründen erachte ich es als sehr bedeutsam, dass bei allen Beteiligten des Zertifizierungsprozesses die Qualität an oberster Stelle steht – um die Nachhaltigkeit der Zertifizierung und der Marke zu gewährleisten. Ohne Qualitätsanspruch entwickelt sich selbst aus der besten Idee nur wertloses Papier.
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