• 2013.10.29
    Harald GregerZum Profil
    Harald Greger

    Urban Mining - Den Recycling-Kreislauf in Schwung halten

    Aufgrund der weltweiten ständigen Verknappung der Rohstoffe und steigender Rohstoffpreise gewinnt "Urban Mining" immer mehr an Bedeutung. Mit "urbanen Minen" ist gemeint, dass Städte wie Bergwerke genutzt werden können: Es geht um die Suche nach Rohstoffen, die in Alltagsgegenständen, Gebäuden und der Infrastruktur verbaut sind – und die man künftig als neue Rohstoffquellen nutzen möchte. Die Gebäude von heute helfen bei der Sicherung der Rohstoffversorgung von morgen. Eine gute und umfangreiche Planung und Bewertung von Gebäuden ist unverzichtbar, um "städtische Minen" für zukünftige Generationen zugänglich zu machen.

    Aluminium als ökoeffizienter Werkstoff
    Aluminium spart aufgrund seiner hohen Recyclingfähigkeit Ressourcen und kann in Zukunft entscheidend zu einer nachhaltigen Rohstoffversorgung beitragen. In Bauanwendungen sind dank der langen Lebensdauer von Aluminiumprodukten weltweit rund 200 Millionen Tonnen Aluminium in Gebrauch. Sie werden beim Rückbau gesammelt und bei einem Energieeinsatz von nur 5 % im Verhältnis zur Primäraluminiumproduktion recycelt. In Europa werden über 96 % des in Gebäuden eingesetzten Aluminiums gesammelt und recycelt. Der Aluminiumbedarf wird zu rund 40 %  über das Recycling von Altaluminium gedeckt - Tendenz steigend.

    An Aluminiumprodukten gehen in Deutschland, Österreich und der Schweiz derzeit jährlich rund 600.000 Tonnen in den Bausektor (Österreich: rund 45.000 Tonnen). Aufgrund der langen Lebensdauer von Gebäuden baut sich hier ein gigantisches Rohstoffreservoir auf, das über fünf Jahrzehnte gesehen rund 30 Millionen Tonnen Aluminium beträgt.(1) "Derzeit kommt auf jeden Österreicher durchschnittlich ein Materiallager von rund einer Tonne Aluminium." Das errechneten Forscher der TU Wien rund um Helmut Rechberger , der ein österreichischer Vorreiter im Feld des "Urban Mining" ist.

    Recycling wichtiges Kriterium für Ökobilanz

    Für die ökologische Beurteilung von Aluminiumfenster müssen neben der Herstellung auch die Nutzung und das Recycling herangezogen werden. Dies entspricht dem Grundprinzip der Ökobilanzierung. Für die erstmalige Herstellung von Aluminium aus Bauxit wird Energie für die Förderung, für die Erzaufarbeitung und für die Elektrolyse benötigt. Diese einmal aufgewendete Energiemenge bleibt aber im Metall gespeichert. Aluminiumprofile werden nach ihrem Einsatz ohne Qualitätsverlust recycelt und stehen durch Einschmelzen wieder als hochwertiges Metall zur Verfügung. Das Umschmelzen von Schrotten bringt eine Stromersparnis von bis zu 95 % gegenüber der Herstellung aus Tonerde.

    Recycling von Aluminium bedeutet:
    - 95 % weniger Energie und
    - 95 % weniger CO2-Emissionen als für die Gewinnung von Primäraluminium.(2)

    Die österreichische Aluminiumindustrie erzeugt jährlich rund 200.000 Tonnen Umschmelzaluminium auf Basis von Recyclingaluminium.(3) Laut Gesamtverband der Aluminiumindustrie (GDA) nahm die weltweite Produktion von Umschmelz- oder Recyclingaluminium im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr um 4,7% zu. Es wurden von den weltweit produzierten 8 Millionen Tonnen Umschmelzaluminium rund 43% auf dem amerikanischen Kontinent, rund 29% in Europa und rund 25% in Asien produziert. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier .

    Literaturquellen:
    (1) Alu D.A.C.H, GDA: Broschüre: An die Zukunft denken - mit Aluminium bauen, 2012, S. 14/15
    (2) Alu D.A.C.H, GDA: Broschüre: An die Zukunft denken - mit Aluminium bauen, 2012, S. 14/15
    (3) Fachverbände Bergbau-Stahl und NE-Metall: Nachhaltigkeitsbericht 2010/2011, 2012, S. 35
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  • 2013.10.17
    Willibald  Kaltenbrunner Zum Profil
    Willibald Kaltenbrunner

    Smart Cities – mehr als nur nachhaltige Gebäude

    Sind Ihnen schon einmal auf der Donauuferautobahn (A22) nach Wien kurz vor der Auffahrt Nordbrücke 3 Plakate aufgefallen? Das erste lautet „Wien hat 1,8 Millionen Gehirne“, das zweite darauffolgende „Nutzen wir sie“. Und auf dem 3. Plakat erfährt man des Rätsels Lösung „Smart City Vienna“.
    In den nächsten Jahrzehnten wird Wien auf über 2 Mio. Gehirne anwachsen, allein der Zuwachs im Jahr 2012 betrug rund 26.000 Menschen. Besonders der „smarte“ Umgang mit der damit verbundenen Verdichtung der Stadt, die trotzdem eine hohe Lebensqualität ermöglicht, ist wesentlich für die BewohnerInnen. Die ambitionierten Ziele der Smart City können nur mit der Identifikation aller Beteiligten erreicht werden.
    Um Stadt- und Quartiersentwicklung langfristig und sinnvoll gestalten zu können, arbeiten wir von denkstatt mit einem  „Nachhaltigkeitskompass“. Dieses Bewertungsinstrument unterstützt bei der Komplexität des Thema durch kommunizierbare Standards, klare Ziele und eine sichere Planung. Aber auch dabei, dem Wesen der Stadt gerecht zu werden. Denn Stadt steht für Vielfalt und für eine nachhaltige Entwicklung braucht es individuellen Spielraum genauso wie Beteiligung.

    Derzeit wird nachhaltige Quartiersentwicklung nur in Ansätzen umgesetzt. In Zukunft wird es eine verstärkte Vernetzung und Zusammenarbeit von Stadtplanung und Objektplanung brauchen. Denn dieser Weg bedeutet weit mehr als die Summe nachhaltiger Gebäude in einem Stadtquartier.
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  • 2013.10.08
    Johannes StockingerZum Profil
    Johannes Stockinger

    Heizwärmebedarf – eine sinnlose Vergleichsgröße?

    Seit der Einführung von Energieausweisen in Österreich im Jahr 2004 sind fast 10 Jahre vergangen. Was damals als unglaubliche Neuerung galt ist heute anerkannter Status und gilt kaum mehr als Geheimwissenschaft – der Heizwärmebedarf.
    Als eine Art Wettbewerbsmotor hilft er im Vergleich zwischen Gebäuden den Besseren zu einer größeren Fördersumme. Doch seit der Einführung der OIB-Richtlinie 6 in den verschiedenen Bundesländern und deren Novelle im Jahr 2011 ist vielen Fachleuten klar geworden, dass es noch weitere Vergleichsgrößen gibt, die näher an der energietechnischen Qualität (Endenergiebedarf) und auch bei den ökologischen Auswirkungen (Primärenergiebedarf und Kohlendioxidemissionen) tatsächliche Vergleiche ermöglichen.
    Alle haben sie jedoch eines gemeinsam – sie spiegeln weder reale Energieverbräuche noch tatsächliche Auswirkungen wieder. Auf Basis von Klimamodellen, Nutzerverhalten, haus- und energietechnischen Kennzahlen helfen diese Zahlen dem Planer, Bauherren aber auch Förderstellen, den Vergleich von Gebäuden, Bauformen, haustechnischen Lösungen, Standorten oder auch Nutzungsstrategien zu verbessern und sinnvoll Entscheidungen zu treffen.
    Vorsicht sollte man allerdings immer sein, wenn ein Fachmann diese Zahlen verwendet um Strom- oder Pelletsbedarf vorherzusagen. Besonders hellhörig sollte man werden, wenn dies auf Basis des Heizwärmebedarfs passiert!
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