• 2013.06.20

    Smart Cites: Reale Planung oder fernes Ökotopia?

    Immer mehr Menschen ziehen in Städte, die in Folge dessen rasant wachsen. Wien wird in den nächsten Jahrzehnten auf rund zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohner anwachsen. Um sich das konkret vorzustellen: Dieser Bevölkerungszuwachs entspricht der Anzahl an Menschen, die derzeit in Graz wohnen. Nun, um diesen zusätzlichen Menschen ein Zuhause und Infrastruktur zu schaffen, ist es ist wohl keine Option, die Stadt Graz im Marchfeld einfach nachzubauen. (Wobei der Gedanke Charme hätte – man denke nur daran, wie Hallstadt in China nachgebaut wurde.) Doch die grundlegenden Fragen bleiben: Wie soll dieses Wachstum gestaltet werden? Wie nachhaltig sind diese Bebauungen? Was bedeutet das ökologisch, sozial, kulturell und funktional? Konzepte zu „Smart Cities“ sollen dazu Antwort geben.

    Das Wachstum wird nicht nur am Stadtrand stattfinden, sondern auch durch Nachver-dichtung. Alte Bahnhöfe, Kasernen und Fabriken spielen dabei eine wesentliche Rolle. Intelligente Quartierentwicklung im Zentrum wie am Rande der Stadt ist daher wesentlich. Dafür braucht es die richtigen Planungs- und Bewertungstools für alle Themen nachhaltiger Entwicklung: Lebensqualität, soziale Akzeptanz und Inklusion, Technologie- und Wirtschaftsentwicklung sowie Ressourceneinsparung und Klimaschutz. Das DGNB-Bewertungssystem für nachhaltige Stadtquartiere ist hierfür ein gutes Tool. Wichtig ist dabei: In allen Planungsphasen soll Nachhaltigkeit in seiner Vielschichtigkeit berücksichtigt werden. Insbesondere in der frühen Phase werden mit den ersten Konzepten bereits Weichenstellungen gesetzt, die eine spätere nachhaltige Ausrichtung leicht oder schwer machen können. Darüber hinaus gilt es bei allen Beteiligten Raum zu schaffen, um eine gemeinsame Vision und Begeisterung für ein nachhaltiges Quartier aufkommen zu lassen. BauherrInnen, Fachplaner und Behörden müssen sich einig sein, um im Anschluss fixe Kriterien für die angestrebten sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Qualitäten zu erarbeiten. Ob diese Kriterien dann auch in allen Phasen der Umsetzung eingehalten werden, muss laufend überprüft werden.

    So kann es gelingen, dass Smart Cities jetzt schon Wirklichkeit werden. Manche Visionen für die Stadt der Zukunft leben technologische Utopien aus, die stark an die Träume der 50er und 60er Jahre erinnern, in der etwa fliegende Autos das Stadtbild prägen. Wir sollten aber nicht auf einen Deus ex machina warten, der mit zukünftigen technologischen Innovationen alle unsere Probleme lösen wird. Denn wir haben heute schon das Know-how für nachhaltige Stadtentwicklung – wir brauchen es nur motiviert und konsequent um-setzen.

    Karl Resel
    Manager Produktgruppe „Nachhaltige Entwicklung“
    Denkstatt GmbH
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  • 2013.06.07
    Roland StraussZum Profil
    Roland Strauss

    Immobilienbranche und Korruptionsstrafrecht - Compliance wird immer wichtiger

    Compliance wird häufig als die abstrakte Verpflichtung beschrieben, dass ein Unternehmen und dessen Vertreter sich an geltendes Recht halten, vertragliche Vereinbarungen einhalten und interne Regelungen befolgen.
    Die Gesetzesnovelle des „Korruptionsstrafrechtsänderungsgesetzes 2013“ (KorrStrÄG 2013) stellt die Compliance - gerade auch von Immobilienunternehmen - vor aktuelle Herausforderungen. Seit 1. Jänner 2013 sind dadurch neue und teilweise erweiterte Bestimmungen zu Korruption, Bestechung, Vorteilszuwendung und „Anfüttern“ in Kraft. Diese erlangen nicht nur für Amtsträger Geltung indem die Annahme von Vorteilen zur pflichtgemäßen oder pflichtwidrigen Ausführung von Amtsgeschäften unter Strafe gestellt wird, sondern entfalten auch starke Auswirkungen auf rein privatwirtschaftliche Unternehmen und deren Organe. Durch die zahlreichen behördlichen Kontakte bei der Realisierung von Immobilienprojekten, ist hier für alle Beteiligten besondere Vorsicht geboten, um späteren Problemen entgegen wirken zu können.
    Versuche, Amtsträger in deren Funktion zu beeinflussen (zB zur Erlangung von Bescheiden oder zur Beschleunigung von Verfahren) werden unabhängig davon, ob es sich um eine tatsächliche Beeinflussung oder um das vorbereitende Versprechen handelt, sanktioniert.
    Korruptionsstrafbestände finden - wie zahlreiche Compliance-relevante Aktionen - hauptsächlich an den Berührungspunkten des Unternehmens zu seinem Umfeld (Kunden, Lieferanten, Behörden) statt. Eine Anpassung durch das KorrStrÄG 2013 sieht weiters vor, dass auch Tathandlungen der Korruption und Bestechung, die ausschließlich im Ausland erfolgen und einen „Österreichbezug“ haben, nach österreichischen Bestimmungen zu bestrafen sind (Ausweitung der inländischen Gerichtsbarkeit).
    Durch genau verfasste Richtlinien für alle Mitarbeiter was erlaubt und was nicht (mehr) erlaubt ist, durch nachweisliche Unterweisung der davon Betroffenen sowie durch angemessene Kontrolle und Beaufsichtigung kann der Realisierung dieser Tatbestände entgegen gewirkt werden. Aus Haftungssicht und unter Beachtung der Organisationsverantwortung von Geschäftsführern wird dringend empfohlen, diesen Compliancebereich und dessen Ausprägungen (Geringfügigkeitsgrenzen für Vorteilszuwendungen, Anfüttern, private Korruption usw) ernst zu nehmen.

    Detailliertere Auskünfte und Informationen erhalten Sie unter roland.strauss@tpa-horwath.com  oder auch in einem Artikel des Autors in AR aktuell 3/2013.
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